Das Nikon AF-S 28-300mm 1:3.5-5.6G ED VR – ein Reiseobjektiv

Nikon 28-300mm

Das Nikon 28-30mm AF-S 1:3.5-5.6G ED VR II

Ich möchte den Interessierten ein Objektiv vorstellen, was ich mir schon vor einiger Zeit gekauft und nun ausgiebig gestestet habe: Das Nikon 28-300mm 1:3.5-5.6G mit optischen Bildstabilisator, was Nikon mit dem bekannten “VR” kennzeichnet.

Die Idee dieses Objektiv zu kaufen und zu nutzen war denkbar einfach…

Ein Urlaub mit der Familie, mit kleinen Kindern brachte mich sehr schnell dahin, die große Kameraausrüstung zu Hause zu lassen und eine kleine kompakte Kamera mitzunehmen. Schließlich ärgerte ich mich über das Ergebnis, bei wenig Licht oder wenn die Kleinen mal wieder herumsausten… Diese Aufgabe erledigt nun mal nur die Spiegelreflex mit hervoragendem Autofokus oder Vollformatchip. Und nun? Wie stelle ich das an? Kann ich ein “Immerdrauf-Objektiv” bekommen, was zumindest für den Urlaub taugt?

Nikon 28-300mm an D700

Nikon 28-300mm bei 28mm an der D700

Ich hatte zwei Photographen, die mir halfen:

1. Die Seite von Ken Rockwell – seine Objektivtests haben Hand und Fuß und spiegeln nicht nur die im Labor gemachten Ergebnisse wider – Testberichte für die Praxis! (http://kenrockwell.com/)
2. Ein Reisebericht von Joe McNally über eine Reise durch Indien, die er nur mit seiner Frau unternahm. (http://www.joemcnally.com/blog/whats-in-the-bag/specialty-lenses/)

Diese beiden Profis kamen zum gleichen Urteil: Das Nikon AF-S 28-300mm ersetzt den ganzen Koffer von Linsen, die man sonst so bei sich trägt. Okay, jedes Objektiv hat seine Berechtigung und würde die Weisheit hiermit beendet sein, dann hätte ja der Objektivhersteller Nikon sich selbst ein faules Ei ins Nest gelegt! Also, der Reihe nach:
Wer einen Allrounder sucht, der sollte wissen, das generell ALLES nicht mit nur einer Linse funktionieren kann!

ausgefahrenes Nikon 28-300mm

In dieser Klasse gibt es keine interne Fokussierung und dies birgt sicherlich die Gefahr des “Blasebalgeffekts”

Ein paar “Fakten”:

Eine Festbrennweite ist die sicherste Methode Verzerrungen, Chromatische Aberrationen, Flares usw. zu verhindern. Nehmen wir nur Festbrennweiten mit, haben wir wieder den Koffer voller Linsen. Was muss denn die Linse dann mitbringen, was steht auf der Wunschliste?

Ein schneller Autofokus und eine große Angangsblende im gesamten Brennweitenbereich sind unabdingbar bei wenig Licht – das wollen wir! Dann wäre ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 8-500mm ganz nett, damit man alle Situationen abdecken kann. Leicht sollte es sein. Achja, Vollformatfähig sollte es auch sein. Und zu guter letzt – das Objektiv muss immer scharf sein!

Was aber kann das 28-300mm denn nun davon leisten?

Nikon 28-300 bei 300mm mit Gegenlichtblende

Nikon 28-300mm mit Gegenlichtblende

Nicht alles, definitiv nicht alles! Wir müssen Abstriche machen und dann schauen, was übrig beleibt! Ich möchte noch kurz erwähnen, das man auch nicht vergessen darf, was man eigentlich machen möchte: URLAUB! Und wenn die Frau, die Freundin oder die Kinder einen eh nicht mögen, dann darf man sicher auch den Photourlaub allein machen und ‘nen dicken Rucksack rumschleppen und viel, viel Zeit investieren!

Die Brennweite:
Es gibt Brennweitenbereiche, die die insgesamten Schwächen, wie z.B. Verzerrungen oder Vignettierungen fördern (z.B. 18-270mm) und dann gibt es Brennweitenbereiche, die man gut kombinieren kann (z.B. 70-200mm). Einen Brennweitenbereich wie wir ihn alle gern hätten, läßt sich aber nicht bauen, wenn wir dieses Objektiv tragen und bezahlen möchten. Was aber ist, wenn ich nun ein Objektiv wie das Tamron 18-270mm oder eben auch das Nikon 28-300mm habe?

Was bedeuten all diese Schwächen für mich?
Auf jeden Fall werden wir Verzerrungen und Vignettierungen im unteren Brennweitenbereich hinnehmen müssen und Unschärfen an den Rändern im oberen Brennweitenbereich.

Ist das schlimm für mein Bild?
Das kommt ganz drauf an, was ich erwarte und was mein Ergebnis sein soll – ein Bild für ein Photobuch oder eine Leinwand für das Wohnzimmer. Wie hoch sind meine persönlichen Ansprüche und nun das Entscheidenste:

Kann ich eventuell die Schwächen in der Post-Produktion beheben – mit Photoshop, Lightroom oder Capture NX2?
Meistens Ja, zumindest für das Ergebnis unserer Urlaubsfotos!
Verzerrungen können meist mit Photoshop rausgerechnet werden. Unschärfen können leicht nachgeschärft werden und Vignettierungen können durch einen Beschnitt des Formats eleminiert werden.

Was ist mit der Lichtstärke?
Die Einführung von optischen Stabilisatoren brachte Besserung, wenn man die Blende 2.8 oder größer nicht hatte – aber nur für Objekte, die auch immer still halten. Ein spielendes Kind kann mit der Vibrations-Reduktion nicht oder sehr schwer eingefangen werden, wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen. Lichtstarke Objektive sind meist groß und schwer und als Varioobjektiv (mit einem Brennweitenbereich von z.B. 28-300mm) auch extrem teuer. Ich gehe den Kompromiss mit der kleinsten Blende von 3.5 bis 5.6 ein, weil ich die fehlenden Blende mit der Lichtempfindlichkeit meiner Kamera kompensieren kann. (ISO 1600 ist noch sehr akzeptabel)

Gewicht und Preis?
800g für ca. 770 EUR

Ein bisschen was zur Nutzung des Objektivs:

Bildstabilisator und Sperrschalter für den Onjektivhub

Bildstabilisator und Sperrschalter für den Onjektivhub

Ein Blick auf das Bild (links) zeigt, dass Nikon die Anordnung von Brennweite und Schärfering im Vergleich zu den meisten Nikkor-Linsen getauscht hat und zudem auch noch dem Schärfeeinstellring weniger Beachtung schenkt, weil dieser deutlich schmaler ist als üblich. Ich empfinde ihn dennoch als nutzbar und habe zu 90 Prozent den Autofokus in Betrieb. Wie sagt Joe McNally immer so schön: “Vertraut mal euren Kameras und nutz die Automatik!” Wer Angst hat durch die fehlende interne Fokussierung und den somit langen Hub dieser Optik mit einem durch die Schwerkraft immer ausgefahrenem Objektiv durch die Welt zu rennen, sei beruhigt: Nikon verbaute einen “Sperrschalter”, der die Brennweite bei 28mm arretiert. Der Bildstabilisator ist bei der verbauten Version 2 mit einem Normal- und einem Action-Modus versehen, der für Photos aus Fahrzeugen bzw. erhöhte Vibrationen taugt. Bei Langzeitbelichtungen sollte man aber dringend den VR ausschalten, damit das Bild nicht droht unscharf zu werden. Die Fokussierung kann manuell oder per Autofokus vorgenommen werden, ein manueller Eingriff in die Scharfstellung ist aber jederzeit möglich.

Das, was es kann:


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