Eine kleiner Reisebericht aus London

BigBen

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An einem verlängerten Wochenende im September habe ich mit meiner Frau eine kleine Städtetour nach London unternommen und schildere hier meine Eindrücke. Wir sind beide nicht das erste Mal in dieser Stadt und haben eine Menge der üblichen Verdächtigen bereits kennengelernt – aber noch lange nicht alle. Vielleicht zeige ich in einem weiteren Blogeintrag nochmal Dinge der letzten Reise, aber erstmal ein bisschen was von dieser Reise:

London-Eye

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Am Mittwoch, den 25.09. haben wir unsere Reise begonnen und sind mit dem Zug nach Frankfurt gefahren. Die günstigen Flüge der Lufthansa von Köln entpuppten sich als Flüge von Frankfurt, für die die Lufthansa aber das Bahnticket zusteuert. Bei dieser Variante verliert man zwar ein bisschen Zeit in Deutschland, aber finanziell macht es tatsächlich einen Unterschied, wenn man Parkgebühren etc. mitrechnet… Soweit hat alles geklappt und auch am Frankfurter Flughafen

lief bis auf eine Verspätung der Maschine alles bestens. Angekommen in Heathrow steuerten wir direkt mit der Tube das Hotel an. Es war direkt an der Wembley Arena (Underground: Wembley Park) – Fahrzeit vom Flughafen 80min und in die City (Westminster) ca. 20min.

Wir entschieden uns noch eine Kleinigkeit in einem der zahlreichen asiatischen oder indischen Restaurants in der Gegend zu Essen – McDonalds etc. haben wir kategorisch ausgeschlossen! Wer in London ist, sollte die asiatische und indische, sowie pakistanische Küche ausprobieren, weil sie sich doch geschmacklich positiver von dem unterscheidet, was wir in Deutschland zu essen bekommen. In einem kleinen Thai-Restaurant haben wir den Abend ausklingen lassen und nebenbei die Vorhaben des nächsten Tages besprochen.

Burögebäude bei Bethenal Green

Dieses Bild wurde aus einer Reihe von Einzelbildern mit dem 15mm Fisheye gemacht und dann mit der Freeware Hugin in einer Kugelprojektion zusammengerechnet. Ich habe leider vergessen meinen eigenen Standpunkt abzulichten, weshalb ich den Bildausschnitt so wählte und dadurch nur eine halbe Kugel zustande kam.

Ein Wort noch zu den Rahmenbedingungen: Wir flogen am Mittwoch Nachmittag (25.09) los, hatten den kompletten Donnerstag, Freitag und Samstag und verließen London am Sonntag morgen in Richtung Heimat. Die Winterjacken, die wir mitnahmen haben wir erst am Samstag und Sonntag benötigt; beim Eintreffen auf der Insel haben wir nicht mit dem vorherrschenden T-shirt-Wetter gerechnet (Zu Hause hatten wir doch schon Temperaturen unter 20°C und in der Nacht um die 10° C).

Wir hatten uns  entschieden  erst mal voll „touri-mäßig“ einen Überblick zu bekommen und einen Stadtbus in eine Richtung zu nehmen – als wir aber die Busse von BigBUS gesehen hatten und mit einem der Ticketverkäufer gesprochen hatten, der uns freundlicherweise alles an einem eigenen Stadtplan erklärte, kauften wir ein Ticket für die BigBusse und fuhren die Route ab. Wer diese nicht kennt: Man kann mit den Bussen fahren und an einigen Stationen aussteigen und dann einfach einen späteren Bus nehmen, um die Strecke weiterzufahren.

Millenium Bridge

Dies ist eine Langzeitbelichtung von 30 Sekunden (f/20), die ich mit einem 1000-fach Neutral-Grau-Filter gemacht habe.

Sehr ideal und bequem, wenn man wirklich die üblichen Attraktionen zu Gesicht bekommen will. Das Ticket ist entweder 24h (wirklich von der Kaufzeit plus 24 Stunden!) oder 3 Tage (exakt 72h!). 24 Stunden reichten uns, wir wollten ja bloß mal die üblichen Verdächtigen abgrasen und ein bisschen Normalo-Tourist spielen, bevor wir uns auf eigene Faust durch den Großstadt-Dschungel machten. Ausgemacht war ohnehin, dass alles recht ruhig abläuft und meine Frau wollte ein paar spezielle Geschäfte sehen, ich hingegen Photos machen, von Orten, die ich beim letzten Besuch nicht einfangen konnte. Unterbrochen haben wir unseren Weg auf der ganzen Reise durch die Stadt immer mal wieder in den zahlreichen Cafés – heiße Schoki mit Sahne für Schatzi, der doppelte Espresso für meine Wenigkeit – Kuchen, Brownies oder Baguettes wahlweise für beide.

Das folgende Bild zeigt mal eine nahezu vollständige Übersicht der Orte, die wir besuchten:

Wo wir waren...

Unsere Tour begann also in Westminster am Houses of Parliament und dem London Eye, vorbei an Westminster Abbey hinüber nach Belgravia, dem Hydepark, dem Fliegerdenkmal, Harrods, Marble Arch schließlich aber zum Trafalgar Square, an dem wir länger verweilten, damit ich noch ein paar Photos machen konnte und dann zu Fuß weiter zu Cleopatras-Needle. Hier unten an der Themse haben wir übrigens feststellen müssen, dass in London auch private Busunternehmen unterwegs sind die man, weil sie eben nicht den öffentliche Verkehrsmitteln angeschlossen sind, auch nicht mit dem Travel-Ticket nutzen kann. Also wieder zur nächsten Hauptstraße und ab in den roten Doppelstöcker. St.Paul’s wartete mit offener Tür auf uns und so konnte ich die Kathedrale endlich auch mal von innen begutachten.

St. Paul's

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Genauso riesig wie die sich von außen präsentiert ist das Innere. Wir hatten Glück und waren zu einer Chorprobe gekommen und konnten somit die exzellente Akustik des Baus genießen, bevor wir uns wieder auf den Weg machten.

Film- und Videoaufnahmen sind in der Kathedrale leider wie in vielen Gebäuden in London untersagt – sicher, um über den Verkauf der Bilder durch professionelle Hände noch ein bisschen mehr Geld in die Kassen zu schwemmen.

Die Kirche im Rücken, schritten wir über die Millennium-Brücke, vorbei am Shakespeare-Theater, welches schon geschlossen war und stiegen nochmal in den Bus, um schließlich am London-Eye zu landen.

Die Schlange an der Kasse war überschaubar und die Dämmerung nahte – ich hatte den Tipp bekommen bei teilweise diesigen Sichtverhältnissen lieber im Dunkeln das Riesenrad zu besteigen, damit die Ausbeute noch größer ist.

Gondel des Millenium-Wheels

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Die Aussicht über London ist tatsächlich im Dunkeln großartig und die Fahrt war auch „ganz nett“, um mal einen Überblick zu bekommen, auch wenn man ihn eigentlich schon hat. Ein „must-see“ ist das London-Eye aber meines Erachtens nicht -  erst recht, wenn man die, wie in London üblich, gesalzenen Eintrittspreise betrachtet. Übrigens hatte ich, wie auch bei meinem letzten Besuch, mein Stativ dabei, weil ich sowohl Langzeitbelichtungen am Tag, als auch in der Nacht machen wollte. Ich stellte dann nach unserer Fahrt mit dem Riesenrad mein Stativ auf und richtete die Linse auf das Parlament und den großen Ben aus, als mich mal wieder ein paar Touristen fragten, ob ich nicht von Ihnen auch ein Photo machen könnte… [...ich wirke mit meiner Ausrüstung wohl sehr vertrauenswürdig...] Als ich mit ihnen dann fertig war und diese sich auch bedankten, kam ein freundlicher Herr auf mich zu und erklärte mir, das ich mich auch privatem Grund befinden würde und die Photographie bei Nacht hier nicht mit einem Stativ erlaubt wäre und ich doch bitte meine Kamera auf der anderen Seite der Brücke benutzen solle.

Privatbesitz an der Themse?  Unglaublich… deswegen darf man bei und im Riesenrad kein Stativ benutzen, ja sogar nicht bei sich tragen – also im Rad. Die Kameraden sind aber wenigstens so fit, das man es am Start abgibt eine kleine Nummer auf einem Ticket bekommt und am Ende wieder mit diesem Ticket  abholen darf – als man mir dies mitteilte, erinnerte ich mich kurz an meine Taschenmesser-Angelegenheit am Eifelturm…  aber das ist eine andere Geschichte…

Houses of Parliament und der BigBen

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Also auf die andere Seite, danach auf die Brücke und schließlich mit der U-Bahn zurück Richtung Hotel.  Ein kleines indisches Restaurant auf unserem Rückweg, dessen letztes Stück mit dem Bus zu fahren war, erweckte bei uns eine gesteigerte Aufmerksamkeit und wir ließen uns nicht viel mehr Zeit zum Überlegen und wurden vom wirklich leckeren Essen nicht enttäuscht.

Ich glaub' der kam aus Bollywood

Die Wachsfiguren wurden mit ISO 800 und 1/50 bei Blende 4 aufgenommen

Madame Tussauds  Wachsfiguren standen auf dem Ausflugsplan. 

Weil wir davon ausgegangen sind, dass am Wochenende noch mehr Andrang vorherrschen würde, haben wir uns am Freitag entschieden diesen Besuch gleich am Tagesanfang durchzuführen. Der Besuch lohnt sich und auch nicht… Zum Einen wieder ein gesalzener Preis mit knapp 25 GBP (und das war schon ein ermäßigter Preis…) und zum anderen ist es wirklich Klasse, was man mit einem Haufen Wachs und viel kreativer Energie erschaffen kann. Personen des politischen Zeitgeschehens sind aber z.T. nicht so schön umgesetzt bzw. werden auch nach einiger Zeit london__20130927_263aus dem Programm genommen…  london__20130927_252Merkelchen ist aber wirklich schlecht getroffen.

So stolperten wir also aus Madame Tussauds und suchten eigentlich einen Laden, der 2nd Hand Designer-Klamotten verkaufen sollte. Wir haben einige dieser Läden über London verteilt angesteuert, schließlich aber in keinem etwas gefunden. Gefunden haben wir aber immer interessante Viertel, die ihren eigenen Charme hatten. Was ich, nebenbei bemerkt, auch sehr interessant in London finde, ist die Tatsache, dass fast „ohne Ankündigung“ die Viertel Londons aufhören und der »Cut« sehr plötzlich da ist.

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Wir befanden uns also schließlich in der Portobello-Road nördlich von Notting-Hill und fanden uns sehr bald im Trubel eines Marktes wieder, der seinen Höhepunkt leider wohl schon überschritten hatte, aber dennoch viel zu bieten hatte. Eine langgezogene Straße, die ohnehin schon links und rechts sehr schönes Cafés und Läden hatte und in deren Mitte nun auch noch Stände mit Schmuck, Antiquitäten, Gebäck, Donuts und Hot Dogs usw. aufgebaut waren.

 

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Die Seitenstraßen sind bunt und beherbergen die komplette Palette der Schichten Londons, die sich das Leben in London überhaupt leisten können. So war am späten Nachmittag, ja fast schon Abend noch eines der farbenfrohen Viertel angesagt, die London einem offerieren kann: Camden Market.  Zu Camden-Market brauche ich nicht mehr zu sagen als das es urig und schräg ist und das war auch trotz der fortgeschrittenen Zeit immer noch der Fall. Viel war mit uns dann aber nicht mehr los und so gab es »fish&chips« von »poppies« und eine gemütliche und nachdenkliche Fahrt zum Hotel.

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Auch am folgenden Tag suchten wir zum Anfang einen Laden, den meine Frau schon aus dem Internet ausgekundschaftet hatte – auf nach Bethanal-Green (die östlichsten Punkte auf meiner Karte[s.o.]). Hier spiegelt sich auch meine Aussage von promptem Übergängen wider. Auf dem Weg konnte ich nun endlich ein paar Aufnahmen des Swiss Re Gebäudes und einiger anderer Hochhäuser machen. Vielleicht zeigen die Bilder noch ein bisschen besser was ich meine.

Ein aus 7 Bildern zusammengesetztes Bild (hugin sei Dank)

Ein aus 7 Bildern zusammengesetztes Bild (hugin sei Dank)

Witzig ist aber, wenn man auf dieses Inderviertel guckt, das doch der nagelneue Rolls Royce vor der Haustür steht, wie auch anderswo – insgesamt habe ich drei solcher gegensätzlichen Rolls Royce Parkplätze in London photographiert…

Wir fanden schließlich den gesuchten Laden, haben aber wieder nichts gekauft – die Eindrücke, sowohl in diesen Vierteln, als auch auf dem Weg zum »beyond retro« waren verdammt gut und zeigten das multi-kulti Leben in London. Um den London Besuch abzurunden haben wir uns dann noch entschieden das National History Museum (NHM) zu besuchen, allein schon wegen des Gebäudes. Einen kleinen Einblick ist dieses Museum sicher wert, auch wenn viele Londoner anscheinend auch einen Samtagsausflug hierher machten. Ausgestellt werden hier Dinosaurierknochen, allerlei Steine, Insekten und eine menge Modelle der Ausstellungen und Sonderausstellungen.

National History Museum

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Ein Photo zeigt mal die Verbindungshalle und den Saal mit den ganzen Steinchen. Wenn man viel Zeit hat, dann kann man hier einen Besuch wagen, ein »must-see« ist dieses Museum für mich aber nicht.

Steinchenhalle des NHM

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Zu guter Letzt unternahmen wir einen Spaziergang durch den Hydepark, nahmen uns etwas dönerähnliches mit ins Hotelzimmer und beendeten unsere London-Erkundungstour.

Ein Wort zu den photographischen Aspekten:

London bietet verdammt viele Motive, vor allem architektonisch hervorragende Gebäude. Die Kamera-Ausrüstung könnte riesig sein, aber ich will zum einen meine Frau nicht verärgern (die im Übrigen sehr tolerant und geduldig diesem meinem Hobby gegenübersteht) und zum anderen auch meinen Rücken auf Reisen schonen. In meinem Fall bestand meine Ausrüstung nur aus meinem Reiseobjektiv, dem Nikon 28-300mm f/3.5-5.6G ED VR AF-S und dem Sigma 15mm Fisheye – diverse Filter und ein Stativ, sowie den Auslösecomputer, zur Sicherheit noch ein Blitzlicht und ein Blitzkabel. Ja, das war dann schon alles und es paßt auch in einen mittleren Photorucksack. Für mich spielt bei meiner Art der Photographie bei dieser Art von Reise auch die Reise an sich, meine Eindrücke und ein gewisses Maß an Entspannung, wenn man das bei einer Städtreise empfinden kann, eine große Rolle – eine Photo-Reise, die man sicher nur mit Photographen unternehmen sollte, ist es somit nicht, sondern nur eine begleitende Photographie. Eines Tages würde ich aber schon gern eine Tour durch London machen, bei welcher ich mich auf die U-Bahn, die Bahnsteige und Eingangs-, sowie Umsteigehallen konzentrieren möchte…